Hausboot Midi, Frankreich

Boote im Revier Midi

Der bereits im 17. Jahrhundert von dem Baron Riquet erbaute Canal du Midi und mittlerweile von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, ist zweifellos einer der schönsten Kanäle Frankreichs und zugleich eines der ehrgeizigsten Bauwerke des ausgehenden Mittelalters. Seine Schönheit genießt er besonders durch sein hohes Dach aus Zypressen und vor allem Platanen, die bereits zur Zeit Riquets angepflanzt worden sind und heute dem Bootsurlauber einen willkommenen Schutz vor der Sommersonne Südfrankreichs bieten. Zum anderen ist die Streckenführung, insbesondere auf dem 53 km langen schleusenfreien Teilstück zwischen Béziers und Argens, bemerkenswert. Dank der Führung entlang einer kurvenreichen Höhenlinie kann der Blick über das leicht abfallende Terrain häufig weit schweifen, bis er sich in der Ferne verliert. Besonderheiten, wie der ca. 160 m lange Tunnel von Malpas bei Colombiers, die typischen alten Steinbrücken, die Kanalbrücke über den Orb bei Béziers, die Rundschleuse von Agde und der „Wasserkeil“ von Fonserannes sind weitere der vielen Höhepunkte entlang der Strecke.

Ein Besuch der mittelalterlichen Stadt Carcassonne gehört quasi zum Pflichtprogramm bei einer Fahrt auf dem Canal du Midi. Sie wurde von den Römern im 1. Jahrhundert v. Chr. gegründet und zählt heute mit ihrer doppelten Stadtmauer zu den am besten erhaltenen Festungsstädten Europas. Im 13. Jahrhundert beherbergte übrigens die Festung die zentrale Verwaltung der Inquisition in Süd-Frankreich und war ein Zentrum der heterodoxen Katharerbewegung. Der Canal du Midi führte zunächst an der Stadt vorbei, wurde aber kurze Zeit später von den Bürgern der Stadt durch diese geführt, als sie die wirtschaftlichen Vorteile eines Kanals erkannten. 1997 wurde die Altstadt von Carcassonne von der UNESCO ebenfalls zum Weltkulturerbe erklärt.

Die Landschaft des Midi wird primär durch den Weinanbau geprägt. Der Canal du Midi findet im Westen in Toulouse seine Fortsetzung in dem Canal latéral à la Garonne und wird im Osten durch den Étang de Thau begrenzt, wo er ab der ganz von Wasser eingerahmten Stadt Sète in den Canal du Rhône à Sète übergeht. Als Anhängsel ist der Canal de la Robine anzusehen, über den man Narbonne erreichen kann.

An kulinarischen Schwerpunkten sind im Osten die Meeresfrüchte des Étang de Thau und des Mittelmeeres und im Westen insbesondere das „Cassoulet“ der Gegend um Castelnaudary zu nennen. Cassoulet ist ein deftiges Eintopfgericht, das eine willkommene Abwechslung in der Küche bietet.

Fühlen Sie sich völlig unbeschwert, wenn Sie das Zirpen der Zikaden hören oder Zeuge des Gezänks einer Papageienkolonie hoch oben in den Gipfeln der Platanen werden und genießen Sie dabei die schönste Zeit des Jahres!